Warum dauert das eigentlich immer so lange?
Shownotes
Warum dauert es oft Jahre, bis ein neuer Spielplatz, ein Wohngebiet oder eine Straße gebaut wird? Ist das wirklich nur Bürokratie – oder steckt mehr dahinter? In dieser Folge des Kommunalpodcast Bayern nehme ich Sie mit auf die Reise eines kommunalen Projekts. Anhand eines beispielhaften Spiel- und Freizeitparks zeige ich Schritt für Schritt, wie aus einer ersten Idee ein konkretes Bauvorhaben entsteht. Dabei geht es unter anderem um: warum Stadtentwicklung mit einem Zukunftsbild beginnt, welche Rolle ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) spielt, weshalb Flächennutzungs- und Bebauungspläne notwendig sind, warum Behörden und Öffentlichkeit beteiligt werden, und weshalb gute Planung Zeit braucht – ohne dass jede Verzögerung automatisch sinnvoll ist. Mein Ziel ist es nicht, Verfahren zu rechtfertigen. Ich möchte erklären, wie kommunale Planung funktioniert und warum sie häufig komplexer ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denn wenn wir heute an einer Baustelle vorbeifahren, sehen wir meist nicht den Anfang eines Projekts – sondern das letzte Kapitel einer Geschichte, die oft viele Jahre zuvor begonnen hat. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Zuhören! Kommunalpodcast Bayern
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Transkript anzeigen
00:00:15: Herzlich willkommen zum Kommunalpodcast Bayern.
00:00:18: Mein Name ist Tobias Eschmacher, ich war vierzehn Jahre Oberbürgermeister der Stadt Freising und begleite heute im Rahmen meiner Tätigkeit für die Beratungsgesellschaft ZIMA Kommunen bei Fragen der Stadtentwicklung, bei Beteiligungsprozessen und politischen Entscheidungen.
00:00:34: Heute möchte ich Sie mitnehmen auf eine kleine Gedankenreise.
00:00:37: Stellen sie sich vor wir treffen uns in zehn Jahren wieder.
00:00:41: Es ist ein sonniger Sommertag, vor uns liegt ein großer Spiel und Freizeitpark.
00:00:46: Kinder toben über einen Klettergerüst Jugendliche spielen Basketball Eltern sitzen auf den Benken Und unter den neu gepflanzten Bäumen suchen Menschen Schatten.
00:00:56: Ein Ort der ganz selbstverständlich wirkt als wäre er schon immer da gewesen.
00:01:00: wenn wir dort gemeinsam stehen würden würde wahrscheinlich niemand fragen Wann hat die Stadt eigentlich begonnen diesen Park zu planen?
00:01:08: Die meisten würden vermutlich einfach denken, naja vielleicht vor zwei oder drei Jahren als eben die Baustelle bekommen hat.
00:01:15: Und genau das finde ich spannend denn vermutlich würde ich Ihnen in Antworten nein!
00:01:19: Die Geschichte dieses Parks begann nicht mit dem ersten Bagger.
00:01:22: sie begannen auch nicht mit den ersten Bauplan und wahrscheinlich nicht einmal mit dem Grundstück auf dem er heute steht – sie begann viele Jahre früher mit einer ganz einfachen Frage Wie soll unsere Stadt eigentlich im Zukunft aussehen?
00:01:37: Genau diese Frage steht am Anfang fast jedes kommunalen Projekts, egal ob ein neuer Spielplatz, ein Wohngebiet eine Straße, einen Radweg oder die Umgestaltung eines Marktplatzes.
00:01:48: Von außen sehen wir meistens nur das Ergebnis – wir sehen den Packer und die Baustelle.
00:01:54: Wir sehen das fertige Projekt.
00:01:56: Was wir nicht sehen sind die vielen Entscheidungen, Überlegungen und Diskussionen, die diesem Projekt vorausgegangen
00:02:05: sind.".
00:02:06: Deshalb hören Kommunalpolitiker und Verwaltungen immer wieder einen Satz.
00:02:11: Vielleicht haben sie ihnen selbst auch schon mal gesagt oder zumindest gedacht, warum dauert das bei der Stadt eigentlich immer so lange?
00:02:18: Diese Frage ist völlig berechtigt und genau darüber möchte ich heute sprechen.
00:02:21: nicht um langwierige Verfahren schön zu reden denn natürlich gibt es auch unnötige Verzögerungen.
00:02:26: Es gibt Personalmangel schwierige Abstimmungen neue gesetzliche Vorgaben Und manchmal werden Entscheidungen einfach zu spät getroffen.
00:02:34: Auch Verwaltungen machen Fehler Und auch die Politik trifft nicht immer die besten Entscheidungen.
00:02:40: Darum soll es heute aber gar nicht gehen, ich möchte Ihnen viel mehr zeigen dass kommunale Projekte oft viel früher beginnen als wir glauben das sie sich über viele Jahre entwickeln und das aus einer Idee Schritt für Schritt ein realer Ort wird.
00:02:53: Unser Spiel- und Freizeitpark wird uns dabei als Beispiel begleiten denn an ihm lässt sich ganz gut erklären wie kommunale Planung funktioniert oder vielleicht besser gesagt wie aus der Idee ein Ort entsteht.
00:03:04: Beginnen wir also ganz am Anfang.
00:03:07: Nicht beim Spielpark, sondern bei der Frage... Wie entsteht eigentlich die Stadt von morgen?
00:03:14: Denn im Moment gibt es ihn ja noch gar nicht!
00:03:17: Es gibt kein Grundstück, es gibt keine Pläne und es gibt keinen Bagger.
00:03:20: Eigentlich gibt es noch nicht einmal die Idee für einen Spielpark.
00:03:24: Was ist aber gibt ist eine Stadt, die sich verändert.
00:03:27: Vielleicht ziehen jedes Jahr mehr Familien zu.
00:03:29: Kindergärten werden voller, die Schulen wachsen Neue Wohngebiete entstehen, gleichzeitig wird die Bevölkerung älter.
00:03:37: Die Sommer werden heißer, der Verkehr verändert sich, die Ansprüche an öffentliche Räume entwickeln sich weiter.
00:03:42: kurz gesagt – die Stadt bleibt nicht stehen und genau deshalb kann auch Stadtentwicklungen nicht stehen bleiben.
00:03:49: An diesem Punkt passiert etwas sehr Interessantes.
00:03:52: Die Verwaltung beobachtet diese Entwicklungen, sie sammelt Daten, werdet Statistiken aus und spricht mit Fachleuten Aber sie entscheidet noch nichts, denn die entscheidende Frage lautet zunächst nicht was bauen wir sondern wie wollen wir künftig leben.
00:04:08: Das klingt im ersten Moment vielleicht ein bisschen philosophisch.
00:04:11: tatsächlich ist es aber eine der wichtigsten Fragen kommunaler Politik Denn dieselbe Ausgangssituation kann zu ganz unterschiedlichen Lösungen führen.
00:04:19: Nehmen wir unser Beispiel Es ziehen mehr Familien in die Stadt.
00:04:22: Was folgt daraus?
00:04:24: Brauchen wir einen neuen Spiel und Freizeitpark?
00:04:26: Oder sollten bestehende Spielplätze erweitert werden, vielleicht wäre ein neues Jugendzentrum sinnvoll oder zusätzliche Sportflächen oder mehr grünen Flächen die von allen Generationen genutzt werden können.
00:04:38: Sie merken schon aus einem Problem entsteht noch kein Projekt und aus einem Bedarf ergibt sie noch keine Lösung.
00:04:44: dazwischen liegt eine politische Entscheidung genauer gesagt um die gemeinsame Entscheidung darüber in welche Richtung sich eine Stadt entwickeln sollen.
00:04:55: Und genau hier beginnt die Stadtentwicklung.
00:04:57: Nicht mit Bauplänen, nicht mit Ausschreibungen sondern mit einem Zukunftsbild.
00:05:02: Viele Städte und Gemeinden erarbeiten dafür langfristige Entwicklungskonzepte.
00:05:06: vielleicht da haben sie schon einmal die Abkürzung ISEC gehört Sie steht für integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept.
00:05:16: Lassen Sie sich von diesem etwas sperrigen Begriff aber nicht abschrecken.
00:05:19: Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach Eine Stadt nimmt sich bewusst Zeit, um gemeinsam über ihre Zukunft nachzudenken.
00:05:27: Nicht nur innerhalb der Verwaltung sondern zusammen mit Politik, Fachleuten, Vereinen, Unternehmen, Interessensgruppen und je nach Verfahren auch mit Bürgerinnen und Bürgern.
00:05:36: Warum macht man das?
00:05:38: Weil niemand allein den vollständigen Blick auf die Stadt hat.
00:05:42: Der Verkehrsplaner sieht andere Dinge als die Wirtschaftsförderung Die Klimafachleute achten auf andere Themen als der Einzelhandel Familien haben andere Bedürfnisse als Senioren und Vereine kennen ihre Stadt oft noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive.
00:06:00: Erst wenn all diese Sichtweisen zusammenkommen, entsteht ein wirklich gutes Bild davon wie sich eine Stadt entwickeln soll.
00:06:08: Deshalb heißt es übrigens auch integriertes Konzept.
00:06:12: Es integrierte unterschiedliche Fachrichtungen, es ist integrierten unterschiedlichen Interessen Und idealerweise integriert es auch möglichst viele Menschen, die später an der Umsetzung beteiligt sind.
00:06:23: Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen genau darin liegt seine größte Stärke nicht in der Liste der einzelnen Maßnahmen sondern darin dass viele Menschen gemeinsam eine Richtung festlegen.
00:06:36: ein solches Zukunftsbild ist kein startes Programm.
00:06:40: das ist eher wie ein Kompass.
00:06:42: Ein Kompass schreibt nicht jeden einzelnen Schritt vor, aber er hilft dabei über viele Jahre hinweg die Richtung nicht aus den Augen zu verlieren.
00:06:49: Und genau deshalb beginnt unser Spiel- und Freizeitpark eben nicht mit einer Baustelle.
00:06:53: Er beginnt mit einer gemeinsamen Vorstellung davon wie die Stadt von morgen aussehen soll.
00:07:00: An dieser Stelle höre ich innerlich schon oft den Einwand Das klingt ja alles ganz vernünftig Aber muss das wirklich so lange dauern?
00:07:06: Ich finde auch dass ist eine berechtigte Frage Denn niemand wartet gerne nicht auf einen Spielplatz Nicht auf den Radweg, auch nicht auf eine neue Straße und auch nicht Auf bezahlbaren Wohnraum.
00:07:17: Deshalb lohnt sich ein Gedankenspiel.
00:07:21: Stellen Sie sie vor, eine Stadt würde auf all diese Überlegungen verzichten.
00:07:25: Es gibt also kein gemeinsames Zukunftsbild keine langfristigen Ziele keine Abstimmungen zwischen den verschiedenen Fachbereichen.
00:07:33: Jeder würde im Grunde nur seinen eigenen Aufgabenbereich optimieren.
00:07:36: Der Verkehrsplaner, den Verkehr die Wirtschaftsförderung, die Gewerbeflächen, die Klimafachleute möglichst viele Grünflächen Die Sozialplanungen neue Einrichtungen für Familien und Senioren alles für sich genommen ja sinnvolle Ziele aber Würde daraus automatisch eine lebenswerte Stadt entstehen?
00:07:52: Wahrscheinlich nicht Denn Stadtentwicklung bedeutet immer unterschiedliche Interessen zusammenzubringen Und genau das braucht Zeit.
00:08:01: Ich glaube viele Menschen stellen sich Planungen wie eine To-do Liste vor, da steht oben Spielplatz bauen und dann arbeitet man einfach Punkt für Punkt ab.
00:08:10: In Wirklichkeit ist eine Planung aber eher wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles.
00:08:15: Jedes Teil muss zu den anderen passen.
00:08:18: Eine Entscheidung beeinflusst oft viele weitere Bereiche.
00:08:21: Ein neues Wohngebiet braucht vielleicht eine zusätzliche Kindertagesstätte.
00:08:26: Mehr Kinder bedeuten irgendwann auch mehr Schulplätze.
00:08:30: Mehr Einwohner erzeugen zusätzlichen Verkehr.
00:08:32: mehr versiegelte Flächen machen neue Maßnahmen zum Klimaschutz oder zur Regenwasserbewirtschaftung notwendig.
00:08:39: Und plötzlich wird aus einer scheinbar einfachen Idee ein komplexes Geflecht von Zusammenhängen, das bedeutet übrigens nicht dass alles kompliziert gemacht wird.
00:08:48: es bedeutet nur dass viele Fragen halt zusammenhängen und genau deshalb muss man sich auch das alles gemeinsam betrachten.
00:08:58: Aus meiner Erfahrung war das einer der größten Unterschiede zwischen kommunaler Politik und vielen Entscheidungen im privaten Alltag.
00:09:05: Zu Hause kann ich vieles allein entscheiden, eine Kommune kann es nicht – sie entscheidet immer für viele Menschen!
00:09:11: Und häufig mit Auswirkungen die über Jahrzehnte bestehen bleiben.
00:09:15: Deshalb versuchen gute Städte und Gemeinden nicht nur an das nächste Jahr zu denken sondern auch in den nächsten Generationen Ein neuer Platz, eine Straße ein Park oder ein Wohngebiet.
00:09:25: All das prägt eine Stadt oft für viele Jahrzehnte manche sogar für einen Jahrhundert oder länger.
00:09:30: Deshalb ist die eigene Frage vielleicht gar nicht warum dauert das so lang sondern wie schaffen wir Entscheidungen die auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch richtig sind?
00:09:42: Natürlich gelingt es nicht immer.
00:09:44: niemand kann die Zukunft vorher sagen.
00:09:45: Gesetze ändern sich förderprogramme laufen aus Baukosten steigen Also neue Herausforderungen entstehen und manchmal stellt sich auch heraus, dass frühere Entscheidungen heute vielleicht anders getroffen würden.
00:09:57: Das gehört ja zur Ehrlichkeit dazu.
00:09:59: Trotzdem bin ich überzeugt eine gute Planung ist keine Garantie für perfekte Ergebnisse aber sie erhöht die Wahrscheinlichkeit das am Ende etwas entsteht das dauerhaft funktioniert.
00:10:09: und genau deshalb beginnt gute Stadtentwicklung nicht mit der Frage wie kommen wir möglichst schnell zum Bagger sondern mit der frage Wie schaffen wir einen Ort der auch in vielen Jahren noch gerne genutzt wird.
00:10:24: Unser Spiel und Freizeitpark ist dafür ein gutes Beispiel, im Moment wissen wir zwar dass eine Stadt vielleicht mehr Freizeitangebote für Familien braucht aber wir wissen doch immer nicht wo dieser Park einmal entstehen soll.
00:10:35: Und genau das ist der nächste Schritt Denn aus einem Zukunftsbild muss jetzt langsam eine konkrete Planung werden.
00:10:41: Bis hierher haben wir über Ziele gesprochen Über die Frage wie wir in Zukunft leben möchten über mehr Wohnraum, mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität Mehr Freizeitangebote, aber all das ist zunächst nur eine Idee oder genauer gesagt so ein gemeinsames Zukunftsbild.
00:10:56: Unser Spiel- und Freizeitspark existiert deshalb immer noch nicht.
00:10:59: Er hat noch keinen Namen, noch kein Grundstück keine Adresse.
00:11:02: Und genau jetzt stellt sich eine ganz praktische Frage Wo soll er eigentlich entstehen?
00:11:07: Vielleicht kann man ja sagen dort wo halt eben Platz ist?
00:11:10: Aber genauso einfach ist es leider nicht Denn freie Flächen gibt es in unseren Städten und Gemeinden nur sehr begrenzt.
00:11:17: Und fast jede Fläche wird bereits genutzt für Landwirtschaft, für Wohnen, für Gewerbe, für Straßen, für Natur- und Landschaft, für Sport oder für Erholung.
00:11:26: Jede Entscheidung für eine Nutzung bedeutet deshalb meistens auch eine Entscheidung gegen andere.
00:11:32: Genau deshalb reicht ein Zukunftsbild allein nicht aus – es muss räumlich werden!
00:11:38: Die Stadt muss also überlegen wo können wir künftig Wohnraum schaffen.
00:11:43: Wo brauchen wir neue Gewerbeflächen?
00:11:46: Welche Flächen sollen dauerhaft grün bleiben, wo entwickeln wir unsere Innenstadt weiter?
00:11:52: und wo könnte eines Tages unser Spiel- und Freizeitpark entstehen?
00:11:56: An dieser Stelle kommt ein weiteres wichtiges Planungsinstrumentenspiel der Flächen Nutzungsplan.
00:12:03: Auch dieser Begriff klingt zunächst ziemlich technisch.
00:12:05: Tatsächlich ist seine Aufgabe aber gut nachvollziehbar, denn er übersetzt das Zukunftsbild einer Stadt Schritt für Schritt in eine räumliche Vorstellung.
00:12:13: Man könnte auch sagen, er beantwortet die Frage wo bestimmte Entwicklungen grundsätzlich stattfinden sollen.
00:12:20: Dabei ist eines ganz wichtig ein Flächen-Nutzungsplan ist noch kein Bauplan.
00:12:24: Er bedeutet nicht dass auf einer Fläche morgen gebaut wird und er bedeutet übrigens auch nicht dass dort automatisch gebaut werden darf.
00:12:32: Er zeigt viel mehr, wie sich eine Gemeinde ihre langfristige Entwicklung vorstellt.
00:12:37: Erst damit sowas wie eine Landkarte möglicher Entwicklungen.
00:12:41: Aus meiner Erfahrung wird genau das häufig missverstanden.
00:12:43: Viele Menschen entdecken eine Darstellung im Flächen-Nutzungsplan und haben sofort den Eindruck jetzt ist alles entschieden.
00:12:50: Tatsächlich beginnt die eigentliche Diskussion häufig erst danach Denn jetzt muss aus einer Fläche ein konkretes Projekt werden Und genau dafür gibt es einen weiteren Planungsschritt.
00:13:01: Bevor wir dazu kommen, möchte ich aber noch einen Gedanken mitgeben.
00:13:04: Vielleicht fragen Sie sich inzwischen warum man diesen Umweg überhaupt geht?
00:13:08: Warum entscheidet man nicht einfach direkt über den Spiel- und Freizeitpark?
00:13:13: Die Antwort ist eigentlich ganz einfach weil Städte nicht aus einzelnen Projekten bestehen sondern aus unzähligen Entscheidungen die miteinander zusammenhängen.
00:13:22: Wenn wir heute eine Fläche für Wohnen vorsehen kann dort morgen kein Park entstehen.
00:13:27: Wenn wir heute einen wichtigen Grünzug bebauen, fehlt er vielleicht in den zwanzig Jahren für das Stadtklima.
00:13:32: Und wenn wir heute keinen Platz für Schulen Kindergärten oder Freizeitangebote mitdenken – ja werden diese Flächen später halt kaum noch finden!
00:13:41: Deshalb ist der Flächennutzungsplan viel mehr als nur eine Karte.
00:13:43: Er hilft einer Stadt ihre Zukunft räumlich zu denken.
00:13:47: Unser Spiel- und Freizeitspark hat jetzt zum ersten Mal einen möglichen Platz gefunden.
00:13:51: Gebaut wird er trotzdem noch lange nicht, denn bevor auch nur ein Spaten in den Boden gesetzt werden kann beginnt der wohl intensivste Teil des gesamten Weges.
00:13:59: Jetzt geht es um die konkrete Planung und damit um den Bebauungsplan.
00:14:05: Es ist der Moment an dem aus einer Idee langsam ein echtes Projekt werden soll.
00:14:10: unser Spiel- und Freizeitpark hat inzwischen einen möglichen Standort gefunden aber noch immer darf dort nicht gebaut werden.
00:14:17: jetzt beginnt die eigentliche Detailarbeit Und genau an diesem Punkt entsteht häufig der Eindruck, warum dauert das denn jetzt schon wieder?
00:14:26: Schauen wir uns deshalb mal an was jetzt alles passiert.
00:14:29: Zunächst muss die Stadt viel genauer planen.
00:14:31: Wo sollen die Wege verlaufen?
00:14:32: Wo entstehen Spielflächen?
00:14:34: Wo werden Bäume gepflanzt?
00:14:36: Wie wird Regenwasser versickert?
00:14:37: wie kommen Rettungsfahrzeuge auf das Gelände?
00:14:39: wo Verlauf im Leitungen für Strom Wasser oder Telekommunikation?
00:14:45: und wie wird der Park später eigentlich gepflegt?
00:14:47: Und schon daran merken Sie, ein Spiel- und Freizeitpark besteht halt nicht nur aus einer Rutsche und einer Schaukel.
00:14:54: Er ist ein komplexes Stück Infrastruktur – doch damit ist es auch noch lange nicht getan!
00:14:58: Jetzt werden zahlreiche Fachstellen mitteiligt.
00:15:01: Je nach Projekt können es beispielsweise die Naturschutzbehörde, das Wasserwirtschaftsamt, die Straßenverkehrsbehörden Versorgungsunternehmen, die Feuerwehr oder viele andere Träger öffentlicher Belange sein.
00:15:12: Jede dieser Stellen schaut aus ihrer eigenen fachlichen Perspektive auf dieses Projekt Und es ist auch gut so, denn jede von ihnen entdeckt Dinge die andere möglicherweise übersehen würden.
00:15:23: Vielleicht stellt das Wasser wirtschaftsamt fest dass bei stark regnen zusätzliche Rückhalteflächen notwendig sind.
00:15:27: vielleicht weiß die Feuerwehr darauf hin dass eine Zufahrt verbreitet werden muss oder ein Energieversorger erklärt dass unter dem Gelände bereits wichtige Leitungen verlaufen.
00:15:37: manchmal lassen sich solche Hinweise auch leicht berücksichtigen manchmal verändern sie aber ein Projekt auch grundlegend Und parallel dazu werden auch die Bürgerinnen und Bürger beteiligt.
00:15:46: Auch sie können Hinweise geben, Fragen stellen oder Bedenken äußern – vielleicht weist jemand darauf hin das ein beliebter Fußweg über das Gelände führt oder dass dort regelmäßig Wasser stehen bleibt oder dass ein großer Baum erhalten werden sollte?
00:16:00: Nicht jeder Einwand führt automatisch zu einer Änderung aber jeder Einwand muss ernsthaft geprüft werden!
00:16:07: Denn genau darum geht es in einem rechtsstaatlichen Verfahren.
00:16:10: Unterschiedliche Interessen sollen gehört und sorgfältig gegeneinander abgewogen
00:16:14: werden.".
00:16:15: Ich finde ja, dieses Wort beschreibt den Kern der kommunalen Planung – Abwägung!
00:16:20: Es gibt fast nie darum das eine Seite vollständig Recht hat und die andere vollständigen Unrechtes.
00:16:24: geht darum, unterschiedliche berechtigte Interessen möglichst gut miteinander in Einklang zu bringen.
00:16:30: Und genau deshalb dauern halt diese Verfahren manchmal länger als wir es uns wünschen würden….
00:16:36: Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, die meisten Verzögerungen entstehen nicht weil jemand absichtlich Zeit verlieren möchte sondern weil unterwegs neue Erkenntnisse auftachen.
00:16:45: Eine zusätzliche Untersuchung wird notwendig.
00:16:47: ein Hinweis für zu einer besseren Lösung einen Konflikt muss möglicherweise geklärt werden oder gesetzliche Vorgaben machen eine Überarbeitung erforderlich.
00:16:55: natürlich gibt es auch andere Gründe.
00:16:57: manchmal fehlt Personal manchmal ändern sich Politische Mehrheiten manchmal steigen die Baukosten so stark, dass ein Projekt noch einmal neu gedacht werden muss.
00:17:08: Und ja, manchmal macht auch eine Verwaltung Fehler.
00:17:10: Das sollte man offen sagen.
00:17:11: aber wenn wir uns fragen warum kommunale Projekte oft mehrere Jahre brauchen dann liegt die Antwort halt meistens nicht in einem einzigen Grund sondern darin das viele kleine Schritte sorgfältig aufeinander aufbauen.
00:17:24: unser Spiel- und Freizeitpark ist deshalb jetzt noch nicht fertig Aber eines hat sich inzwischen verändert.
00:17:30: Aus einer ersten Idee ist ein rechtlich und fachlich geprüftes Projekt geworden.
00:17:36: Und genau das ist die Voraussetzung dafür, dass irgendwann tatsächlich gebaut werden kann.
00:17:40: Also aus einer Idee wurde ein Zukunftsbild, aus dem Zukunftsbild entstand eine Fläche, aus der Fläche wurde eine konkrete Planung.
00:17:47: Fachbehörden wurden beteiligt Bürgerinnen und Bürger konnten ihre Hinweise einbringen.
00:17:52: viele unterschiedliche Interessen wurden gegeneinander abgewogen.
00:17:55: jetzt könnte man meinen Dann kann ja endlich gebaut werden.
00:17:59: Aber auch das stimmt häufig noch nicht, denn Projekte sind keine Produkte die man einmal entwickelt und anschließend unverändert umsetzt.
00:18:05: Sie entwickeln sich weiter... Und manchmal müssen sie sich sogar weiterentwickeln!
00:18:09: Das ist kein Zeichen von schlechter Planung sondern oft eine Folge davon dass zwischen der ersten Idee und der Umsetzung viele Jahre liegen.
00:18:16: In dieser Zeit verändert sich die Welt.
00:18:18: Vielleicht steigen die Baukosten deutlich stärker als erwartet Vielleicht ändern sich Förderprogramme, vielleicht treten neue gesetzliche Anforderungen in Kraft.
00:18:26: Vielleicht ergeben neue gutachten zusätzliche Erkenntnisse oder die Bevölkerung entwickelt sich anders als ursprünglich angenommen.
00:18:34: auch politische Prioritäten können sich verändern.
00:18:36: nach einer Wahl setzt ein neu gewählter Startlat vielleicht andere Schwerpunkte das übrigens völlig legitim denn Demokratie lebt davon dass neue Mehrheiten neue Akzente setzen können.
00:18:47: Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch die Stärke langfristiger Stadtentwicklung.
00:18:51: Ein gutes Entwicklungskonzept ist kein starres Drehbuch, es ist eher ein Kompass.
00:18:56: Die Richtung bleibt erhalten.
00:18:57: Der Weg dorthin kann sich verändern.
00:19:00: Ich habe das in meiner Zeit als Kommunalpolitiker immer wieder erlebt.
00:19:04: Viele Projekte sahen am Ende eigentlich anders aus als am Anfang.
00:19:07: Manchmal waren sie größer manchmal kleiner Manchmal mussten einzelne Bestandteile verändert werden.
00:19:12: Manchmal stellt es sich auch heraus, dass eine ursprünglich gute Idee unter veränderten Rahmenbedingungen nicht mehr die beste Lösung war.
00:19:20: Ich glaube genau darin liegt eigentlich einer der größten Herausforderung kommunaler Planung – sie muss verlässlich sein aber sie darf nichts da werden!
00:19:28: Sie braucht Orientierung, aber sie muss trotzdem auf Veränderungen reagieren können.
00:19:32: und noch etwas gehört zu der Ehrlichkeit dazu.
00:19:34: Nicht jede Verzögerung ist sinnvoll.
00:19:36: Es gibt Verfahren, die unnötig lange dauern.
00:19:39: Es gibt auch Abstimmungen, die effizienter laufen können.
00:19:41: es gibt Personalmangel und manchmal werden Entscheidungen schlicht zu lange hinausgezögert.
00:19:45: Auch das ist Teil der Realität.
00:19:47: Wer kommunale Planung erklärt sollte beides sagen Das Gründlichkeit Zeit braucht Aber auch dass Verwaltung und Politik immer wieder daran arbeiten müssen Verfahren besser und schneller zu machen.
00:19:58: Ich glaube genau diese Balance ist wichtig Denn sie schafft Vertrauen nicht dadurch, dass wir alles verteidigen sondern dadurch das wir offen erklären warum manches notwendig ist und warum anderes besser werden kann.
00:20:11: Unser Spiel- und Freizeitpark ist inzwischen bereit für den letzten Schritt.
00:20:15: alle wichtigen Entscheidungen sind getroffen die Planung sind abgeschlossen der Projektbeschluss steht Der Haushalt stellt die erforderlichen Finanzmittel bereit.
00:20:23: jetzt kann gebaut werden natürlich mit einem Beweisfoto vom Spartenstich.
00:20:28: Und genau dort beginnt das was die meisten Menschen als dem Beginn eines Projekts wahrnehmen.
00:20:32: Dabei ist er der größte Teil der Geschichte längst erzählt.
00:20:37: Machen wir einen kleinen Zeitsprung ans Ende der Bauarbeiten, inzwischen ist der Park fertig.
00:20:40: Kinder spielen auf den Klettergeräten Jugendliche treffen sich auf dem Basketballfeld Eltern sitzen auf den Banken die Bäume sind gewachsen und spenden Schatten.
00:20:49: Für die meisten Menschen ist dieser Ort heute selbstverständlich.
00:20:51: kaum jemand denkt noch darüber nach wie viele Jahre es gedauert hat bis dieser Park entstanden ist Und ehrlich gesagt, es ist auch völlig in Ordnung.
00:21:00: Denn das Ziel kommunaler Planung ist nicht dass jeder das Planungsverfahren kennt.
00:21:05: Das Ziel ist ein Ort der funktioniert Ein Ort den Menschen gerne nutzen Ein Ort der auch in vielen Jahren noch seinen Zweck erfüllt.
00:21:14: Vielleicht denken sie beim nächsten Bauprojekt in ihrer Stadt oder ihrer Gemeinde trotzdem einmal an dem Weg der dahinter steht.
00:21:21: Nicht weil sie mit ihrer Entscheidung einverstanden sein müssen, das wäre auch gar nicht mein Anspruch.
00:21:25: In einer Demokratie gehört es dazu unterschiedliche Meinungen zu haben Es gehört dazu Projekte kritisch zu hinterfragen und manchmal gehört es auch dazu gegen Planungen zu sein.
00:21:35: Aber vielleicht betrachten Sie den Weg bis zur Baustelle künftig mit etwas anderen Augen Denn hinter jedem größeren kommunalen Projekt stehen viele Fragen die beantwortet werden mussten Wo soll gebaut werden?
00:21:47: Welche Auswirkungen hat das auf die Nachbarschaft, wie verändert sich der Verkehr, welche Folgen hat es für Natur und Klima, welche Interessen müssen berücksichtigt werden.
00:21:56: Und welche Lösung ist am Ende die Beste nicht nur für heute sondern auch für den nächsten Jahrzehnte?
00:22:02: Vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied zwischen einem privaten Bauvorhaben und kommunaler Planung.
00:22:08: eine Kommune baut nicht für einen einzelnen Menschen sie gestaltet Lebensräume für viele Und sie trifft Entscheidungen, deren Auswirkungen oft weit über eine Wahlperiode hinausreichen.
00:22:18: Deshalb braucht gute Standentwicklung Zeit – nicht weil die Zeiten selbst weg wäre sondern weil gute Entscheidungen selten dadurch entstehen dass man schwierige Fragen überspringt!
00:22:29: Natürlich wünsche ich mir das Verfahren einfacher werden, dass Genehmigungen schneller erteilt werden und dass Verwaltungen ausreichend Personal haben und dass wir überall dort Tempo machen wo es möglich ist.
00:22:40: Denn unsere Städte und Gemeinden stehen vor großen Herausforderungen.
00:22:42: Wir brauchen mehr Wohnraum, wir müssen unsere Innenstädte und Ortszentren weiterentwickeln.
00:22:47: Wir müssen unsere Städte an den Klimawandel
00:22:49: anpassen.".
00:22:51: Und all das gelingt nur wenn gute Planung und effiziente Verfahren zusammenkommen?
00:22:56: Vielleicht nehmen Sie deshalb aus dieser Folge vor allem einen Gedanken mit!
00:23:00: Wenn sie künftig an einer Baustelle vorbei kommen sehen Sie nicht den Beginn eines Projekts – Sie sehen meistens das letzte Kapitel einer Geschichte die viele Jahre zuvor begonnen hat … Mit einer Idee Mit vielen Gesprächen, mit unterschiedlichen Interessen.
00:23:15: Mit politischen Entscheidungen und der gemeinsamen Frage – wie soll unsere Stadt in Zukunft aussehen?
00:23:23: Ich hoffe ich konnte heute ein wenig dazu beitragen diesen Weg verständlicher zu machen.
00:23:27: Schauen Sie doch gern mal den Flächennutzungsplan Ihrer Gemeinde an!
00:23:30: Sie finden ihn bestimmt im Internet auf der Webseite Ihrer Gemeunde Und versuchen sich einmal im Lesen der einzelnen Flächennutzung.
00:23:38: Bestimmt entdecken sie interessante Ideen, die ihre Gemeinde in früheren Zeiten gehabt hatte.
00:23:43: Oder sie nehmen bereits veränderte Realitäten im Vergleich zu einem älteren Flächen-Nutzungsplan wahr?
00:23:48: Stadtentwicklung kann auch ein spannender Blick in die topografische Geschichte sein!
00:23:53: Vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen haben mir zuzuhören.
00:23:56: Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat freue ich mich wenn Sie den Kommunalpodcast Bayern abonnieren ihn weiter empfehlen oder mir Ihre Gedanken und Anregungen schreiben.
00:24:05: Jetzt können Sie gerne auf unserem Instagram-Kanal oder per Mail an servusatcommunalpodcast.bayern machen, denn genau wie gute Stadtentwicklung lebt auch dieser Podcast vom Austausch!
00:24:17: Bis zur nächsten Folge.
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